Isn't that radical?
Titel: Isn't that radical?
Autor: Fischstäbchen
Genre: Slash
Rating: 18
Warnungen: lemon, PWP
Länge: 4 Seiten
Pairing: cum in & find out :D (was für ein mieses Wortspiel oo)
Musik: The most radical thing to do - The Ark
Widmung: 1. Akki für ihre Beflügelung meiner Fantasie.. ich erfülle dir hiermit einen Wunsch XD 2. Ju, für eine interessante Interpretation des wahren Lauri
Sonstiges: Ist die Geschichte wahr? Vielleicht teils, vielleicht gar nicht... fragt Lauri.
Ein Lächeln für die Kamera ist nicht einfach nur ein Lächeln, es ist viel mehr, es ist ein intimer Augenblick, in dem du zusehen musst, dich möglichst weit entfernt von der Wirklichkeit zu verstecken. Jedenfalls wenn du bist wie ich, denn ich habe diese Aufgabe zu erfüllen wie kein Zweiter.
Diese Welt möchte Anzüglichkeit mit Schüchternheit paaren, möchte Tiefgründiges mit Einfachem in einer Einheit begutachten. Sie möchte Nähe und größtmögliche Distanz. Sie möchte mich so und nicht anders.
Ich bin die Symbiose des einfachen Nachbarn und des unnahbaren Prominenten. All das und noch mehr.
Man könnte meinen, ich sei ein Schauspieler und genauso ist es auch. Doch mein Schauspiel kennt keine Bühne, keinen Film, mein Schauspiel ist das Leben.
Ich bin Regisseur und Protagonist in einem und ich liebe es.
"Wie verhältst du dich Frauen gegenüber, Lauri?"
Nicht nur, dass der Reporter die Höflichkeiten längst verbannt ist, da er schließlich "nur" einem Liebling der jungen Generation gegenübersitzt, sondern auch, dass er von mir erwartet, ich würde Frauen mögen, zeigt, wie eingenommen er ist von der Rolle, die er zu erfüllen hat.
Die Zeitschrift, für die er seine erfundenen Artikel verfasst, wird von jungen Mädchen gekauft. Junge Mädchen wollen etwas über Männer lesen, die sie haben könnten, sie wollen etwas über Männer lesen, denen man gegenübertritt wie ein langjähriger Klassenkamerad. Sie wollen sich vor mich stellen und sagen: "Hi Lauri, wie geht's? Wollen wir einen trinken?"
"Ich bin ein eher schüchterner Mensch", beginne ich, das unsichere Lächeln sitzt perfekt, "meist traue ich mich gar nicht, die anzusprechen, die mir gefallen."
Der Mann nickt interessiert, ist er das auch nicht wirklich, und fährt fort.
"Würdest du etwas mit einem Fan anfangen?"
"Man muss sehen, was sich ergibt…"
Kurz darauf verabschieden wir uns voneinander wie alte Freunde und ich hoffe, ihn nicht wiedersehen zu müssen. Aber selbst, wenn das nicht der Fall sein sollte: Die meisten sind wie er.
Seine Leser lieben solche Fragen, wollen träumen von der großen Liebe, wollen den Sänger loben, der so bodenständig und skandalfrei geblieben ist.
Andere Leser träumen von der einen Nacht und dem verruchten Sänger, der sich als Gutenachtgeschichte das Kamasutra vorlesen lässt.
Ich bin all das und noch viel mehr.
"Lauri, trinkst du einen mit uns?", fragt Aki mich und lächelt mich an, wohlwissend, dass eine versteckte Aufforderung in seiner Frage enthalten war.
"Und deine Frau?"
"Die darf nichts trinken", erwidert und gähnt unter vorgehaltener Hand. Es zeigt nicht seine Müdigkeit, sondern sein Desinteresse an dieser Frage, die ich ihm gestellt habe. Aki möchte nicht über seine schwangere Verlobte reden, die verrückt nach sauren Gurken und Ordnung ist. Ich glaube, er mag sie nicht einmal besonders, wenn er auch allen, die fragen, immer etwas von der perfekten Beziehung, einer Seelenbande vorschwärmt. Vermutlich hat er innerlich aufgeschrieen, als sie ihm den Schwangerschaftstest zeigte, der seine Potenz bestätigte.
Nicht, dass er sie noch bestätigen müsste, auch ich stellte sie nicht infrage.
"Wie oft hast du sie jetzt schon hintergangen?"
"Zu oft. Aber das Leben ist zu kurz, leider."
Er denkt einen Augenblick lang nach.
"Und du Lauri, möchtest du jetzt Moralapostel spielen?"
Mein Blick geht hinüber zum Erotikladen, dem einzigen hier in der Gegend. Dieser Teil von Helsinki ist abgesehen von dieser Ecke hier doch recht gutbürgerlich.
"Ich?" Ich lache laut. Es klingt ein wenig gekünstelt, denn für einen Augenblick lang denke ich an meine Freundin in Espoo, die mir gestern bestätigt hat, dass sie auch nicht weiß, wer meinen Rasierer während meiner Abwesendheit verwendet hat. Nicht, dass sie mich enttäuscht hätte, aber mein Rasierer gehört letztendlich immer noch mir allein.
"Ich nicht. Wir können gern zu mir gehen."
"Kein Bedarf."
"Kein Bedarf?", zweifelnd blicke ich Aki an.
"Ich habe schon eine Verabredung", er dehnt das letzte Wort und singt es beinahe.
"Wie ungerecht." Eine Zigarette wird angezündet und an meine Lippen herangeführt.
"Dein Problem, wenn du immer abblitzt." Aki lacht wieder, vermutlich erinnert er sich daran, wie ich letztens versucht habe, diesen zweitklassigen Sänger einer Metal Band in mein Bett zu ziehen, der empört gemeint hatte, er würde nichts mit Blümchensexanwärtern zu tun haben wollen.
Sagt die Musikrichtung etwas über Fähigkeiten im Bett aus? Demnach müsste ich mindestens Death Metal spielen, wie ich in aller Bescheidenheit behaupten darf.
"Wir sehen uns", plötzlich habe ich es eilig und lasse Aki hinter mir, der mir grinsend zuwinkt. Mag seine Frau auch Geld und Hof irgendwann von ihm besitzen, er selbst wird wohl nie sesshaft werden. Das wäre allerdings auch zu verachten, bei der Akrobatik, die er beherrscht. Meine Zunge streicht über meine Unterlippe.
"Auch mal wieder da, Lauri?", der Barkeeper sieht mich prüfend an, "Oder hast du niemanden gefunden?"
"So könnte man das formulieren." Meine Stimme klingt etwas gereizt, ich gestehe mir ungern Niederlagen ein.
"Der kleine Kalle war letztens hier, er meinte, die Nacht mit dir hätte ihn geprägt."
"Das sollte sie auch."
"Lauri, der die Rockjugend einreitet", er lacht über seinen eigenen Witz und stellt ein Bier vor meine Nase.
"Vielleicht sollte man mir das Verdienstkreuz überreichen…" Mein Blick fällt auf einen jungen Mann, der in meinem Alter zu sein scheint. Einer dieser Offensichtlichen, die sich das "schwul" auf die Stirn tätowieren lassen, um nicht noch danach gefragt zu werden.
"Wer ist das?"
"Das? Ola, der ist auf Urlaub hier, so ein paar Mal im Jahr…"
Klingt nicht allzu finnisch, aber schließlich sind wir alle ein heilloses Durcheinander. Ein Janne Toivonen in Schweden muss nicht zwangsläufig auch finnisch sprechen.
"Ein Finne?", mein Bier neigt sich langsam dem Ende.
"Schwede", klärt mich der Barkeeper auf und zwinkert mir zu, "er ist nicht zu verachten, habe ich gehört."
Das klingt doch nach Motivation genug und führt dazu, dass ich etwa eine halbe Stunde später dem ominösen Ola an die Hüften fasse und ihm unvermissverständlich zu verstehen gebe, was ich von ihm möchte.
Diese langsame Annährung wird hektisch, als ich ihm Eindeutigeres ins Ohr schreie und im selben Augenblick die Musik verstummt.
"Ich fick dich tot!"
Die Leute lachen und ich stelle fest, dass ich einen Fehler begangen habe. Selbst in diesem Ambiente ist es nicht von Vorteil, allzu ehrlich zu sein.
"Komm mit!", rufe ich ihm zu und ziehe ihn hinter mir her.
Es ist schon merkwürdig, wenn man erwischt wird, aber vermutlich wird es nie an die Öffentlichkeit gelangen. Die Finnen schweigen und erst recht, wenn sie selbst etwas zu verbergen haben, wie hier.
Ola scheint das alles wiederum recht gelassen zu sehen, denn soweit ich herausbekommen habe, ist er offiziell bi und aus einer Kleinstadt in Schweden, deren Namen keine Erwähnung wert ist. Zudem ist er etwas älter als ich, habe sich aber gut gehalten.
"Solange du etwas drauf hast."
"Du wirst nicht enttäuscht sein", verspricht er und als die Tür der Wohnung zufällt, die ich trotz des Hauses in Espoo behalten habe, suchen seine hungrigen Lippen die meinen sehnsüchtig.
Hungrig, instinktgebunden vergraben wir unsere Zähne im Hals des anderen und schieben den letzten Speichel, den unsere erregten und erhitzten Körper noch zu produzieren mögen mit unseren fordernden Zungen hin und her. Es ist wie ein Tanz, ein schneller Samba, kein langsamer Walzer.
Eine Rückkehr zum Ursprung, die Rollen, Erwartungen und Werte vollkommen ausblendet.
Das reine Gefühl.
Es lässt mich aufschreien, als Ola den letzten Stofffetzen von meiner Haut verbannt und mir mit der rechten Hand in meine Brustwarze kneift. Sie richtet sich auf, genießt die langersehnte Liebkosung.
Er hatte Recht, seine Haut ist makellos, rein, betörend.
Seine Augen verschließen sich, als ich über seine Brust streiche und kein einziges Haar unter meinen Fingerspitzen spüre. Ola kneift die Augen zusammen, als ich noch tiefer herabwandere und seine warme, pochende und aufgerichtete Erektion berühre. Fühle das Blut pulsieren, die feinen Adern, die sein empfindliches Körperteil durchziehen.
Es hat mich erwartet, nur mich.
Das erfasst mich mit einem Stolz, den er womöglich auch verspürt, als er nach mir greift und mich mit leichten, fordernden Bewegungen reizt. Ich genieße die Berührung, die fremde Hand, die mein heißes Fleisch streichelt, es reizt, sodass es nur noch mehr anschwillt.
Ein Stöhnen verlässt meine Lippen, er fällt mit ein, seine geschwollenen Lippen sind leicht geöffnet, so sinnlich im Augenblick der Erregung.
Viele Worte verlieren wir nicht, auch nicht, als ich mir das gelbe Gummi überstreife und etwas Gleitgel verwende.
"Mach schon", keucht er befehlend, als ich mit einem Finger über seinen Hintern fahre, einige Augenblicke lang den Muskel dehne, der bald das Tor für mich sein soll. Ganz will er mich, ganz soll er mich haben.
Ein letztes Mal berühre ich meine schmerzhafte Erregung, bevor ich sie von hinten an ihn heranführe und mich langsam in ihn hineinschiebe.
Merke, wie sehr er mich erwartet hat, merke, dass es ihn ein wenig schmerzt. Doch dieses Leiden wird er gleich vergessen haben, denn meine Finger greifen für einen Augenblick nach seinem Schritt und lassen ihn sich nur noch mehr an mich heranpressen.
"So ist es gut", flüstere ich, obwohl es nur uns beide hier gibt, niemanden, der uns hören könnte. Jetzt zumindest noch nicht.
Er stöhnt, als ich mich ein wenig zurückziehe und dann wieder zustoße, ein-, zweimal, öfter. Bis ein Rhythmus gefunden ist, ein Takt, zudem wir Tänzer uns bewegen, gefühlvoll und sinnlich, gleichzeitig aber so unglaublich hitzig und instinktgebunden.
Fern von Liebe, aber doch so emotional.
Ich kneife die Augen zusammen, es flimmert vor ihnen, weiß, dass es bald soweit ist.
Ola merkt es.
"Nimm mich mit dir!", stöhnt er doch.
Als es jedoch keine Reaktion bei ihm hervorruft, sehe ich, wie er sich selbst zwischen die Beine greift, sich fernab von Ruhe und Gelassenheit massiert.
Ich beiße zu, schmecke einen etwas Metallisches, als sich meine Zähne im Fleisch seiner Schultern verfangen. Er reißt den Kopf hoch, verengt sich, als er sich selbst über den Rand hinausstößt.
Das ist die Massage, nach der ich mich gesehnt habe, denke ich, bevor ich für einen Augenblick lang aufhöre zu denken und mich in das schützende Gummi ergieße.
Meine Augen verschließen sich im Orgasmus. Bin für einen Moment ich selbst, allein, vollends zufrieden.
Doch auch Zufriedenheit endet irgendwann einmal und ich zog sich beinahe ruckartig aus Ola zurück. Dieser verstand den Wink und erhob sich nach einer kurzen Pause, zog sich die Kleidung über, die sich im Raum verteilt hatte während der letzten Minuten.
"Du hast mich nicht enttäuscht", meint er nach einer Weile. Sein Finnisch klingt typisch Schwedisch.
Ich nicke, signalisiere, dass ich verstanden habe und das letzte, das ich von ihm noch sehe, ist seine zum Abschied erhobene Hand, bevor er hinausgeht und meine Wohnungstür ins Schloss fallen lässt.
Eine Weile liege ich nackt, wie ich bin im Bett und starre an die Decke, genieße die Reste dessen, was ich eben noch gefühlt habe.
Anschließend greife ich zum Telefon und wähle eine Nummer. Es dauert eine Weile, bis abgenommen wird.
"Paula? Ja, hier ist Lauri, ich wollte nur sagen, dass ich hier übernachten werde, die Probe hat etwas länger gedauert. Was? Nein, zum Frühstück komme ich nicht. Und pass auf meinen Rasierer auf!"
Nach einer Floskel zur Verabschiedung lege ich wieder auf.
Ein zufriedenen Lächeln erhellt mein Gesicht.