Twister
Titel: Twister (Spirale)
Autor: KanshinX
Disclaimer: all rights reserved
Warnungen: non
Genre: TR-Slash
Pairing: Aki/ Lauri (Sicht: Lauri)
Länge: 4 Seiten
Entstehung: 29.02.2006
Rating: G
Sonstiges: Eine kurzen Mainstream Geschichte nach rumpali's Wünschen *g* Einige sagten mir
nach dem Lesen "das kannst du besser", weshalb sie bis jetzt unter Verschluss stand. Aber was
soll's...
Status: abgeschlossen
Bereuen tat ich es in dem Moment, in dem die Vase neben dir an der Wand zerschellte und in kleine Splitter zerbrach. Bereute es, als ein lautes Klirren ertönte und ich den Scherbenhaufen auf dem Boden entdeckte. Bereute es, als ich deine geweiteten Augen, deinen vor Schreck weit geöffneten Mund erblickte.
Und sprach doch kein Wort.
Kein einziges verdammtes Wort verließ meine Lippen, sagte etwas, bat um Verzeihung. Nichts. Gähnende Leere. Mein ausdrucksloser Blick, der auch nicht weichen wollte, als du dich aus deiner Erstarrung löstest und wortlos an mir vorbeigingst.
Kein "Spinnst du eigentlich?", kein Wort der Missgunst. Einfach nichts.
Erst als ich das scheinbar absichtlich laute Zufallen der Wohnungstür vernahm, wich dem Schreck die Trauer und meine Beine gaben nach, sackte zusammen und vergrub das Gesicht in meinen Händen.
Das war es nicht, was ich gewollt hatte. Immerhin hätte ich dich verletzten können... was, wenn ich getroffen und die Scherben dich geschnitten hätten? Was, wenn... Ich dachte nicht weiter, brach ab und einige selbstmitleidige, wenn auch zahlreiche Tränen verließen meine Augen und bahnten sich ihren Weg.
Krümmte mich zusammen, als würde ich Schmerzen erleiden und vergrub mein Gesicht immer tiefer zwischen meinen Armen, durchnässte den Teppich mit meiner Tränenflut.
Die Kopfschmerzen und die vollkommen ereignislose Zeit, die während meinem Ausbruch vergangen war, brachten mich später doch dazu, mich ein wenig zu beruhigen und einige Taschentücher zu verwenden.
Mit einer Mischung aus Trauer und Erstaunen besah ich mein Gesicht im Spiegel und fragte mich, was du sagen würdest, wenn du meine geschwollenen, roten Augen siehst.
Obwohl, würdest du etwas sagen?
Ein weiterer Blick und ich bin mir dessen nicht mehr so sicher. Schließlich bist du das Opfer und nicht ich. Schließlich hast du vielmehr Grund, traurig zu sein als ich. Oder ist das nur ein egoistischer, naiver Wunsch von mir?
Ein letzter Blick und ich bin überzeugt, dass es dir egal sein wird.
Immerhin war ich es, der die Vase nach dir warf, immerhin war ich es, der nach den ganzen nichtigen Streitereien überreagierte und sie mit Gewalt beenden wollte.
Erst jetzt kam mir auch ein weiterer Gedanke: wo warst du nun? Würdest du wiederkehren?
Vielleicht... kommst du gleich zur Tür herein, lächelst und sagst mir, dass du mir verzeihen würdest. Obwohl das natürlich vollkommen irreal ist, ich würde an deiner Stelle auch nicht so handeln. Bestimmt nicht.
Womöglich würdest du gleich die Tür aufschließen, mir einen vernichtenden Blick zuwerfen und mir sagen, dass es dir reiche. Schließlich war dies nicht das erste Mal und in letzter Zeit kam es häufiger vor, dass wir uns wegen belangloser Dinge stritten.
Vielleicht ist das so, denke ich, vielleicht ist das in vielen Beziehungen das Los, das man irgendwann zieht, um dann festzustellen, dass es nicht funktioniert. Es funktioniert nicht? Sollten du und ich uns etwa trennen?
Schmerzhaft zieht sich etwas in meinem Inneren zusammen, sicherlich eine logische Konsequenz, dennoch... ich möchte nicht daran denken, was wäre, würde es wirklich so kommen. Ich glaube, das würde ich nicht überleben.
Wenn man das auch immer gern sagt, bevor man sich trennt, nicht wahr?
Ich sehe hinüber zur Kommode und erblicke einige Fotos, die darüber an der Wand hängen. Einfach mit Nadeln befestigt, da du Rahmen für kitschig und unangebracht hältst. Bilder von dir und mir. Schon etwas älter, doch strahlt die Freude aus ihnen heraus.
Was ist aus ihr geworden?
Ich kann mich beim besten Willen nicht erinnern, in letzter Zeit viele Worte mit dir gewechselt zu haben, stattdessen lebten wir still nebeneinander her und stritten uns ab und an über die Wäsche, den Geschirrspüler oder etwa die Frage nach demjenigen, der das Abendessen kocht.
Soll es das sein?
Mein Blick fällt auf ein größeres Foto, auf dem du mich mit einem breiten Lächeln in den Armen hältst. Es ist in Stockholm entstanden vor dem Königspalast, eine freundliche Frau hat für uns fotografiert.
Unweigerlich verlassen erneut einige Tränen meine Augen und verschleiern mir ein wenig die Sicht, so dass dein Bild, dein schönes Lachen immer mehr verschwimmt, bis es unerkenntlich erscheint.
Soll es so sein? Kann das sein?
Stunden und einige Taschentücher später sitze ich schweigend auf dem Sofa und fixiere die Decke angestrengt, wenn auch erfolglos. Einstürzen tut sie trotz meiner Bemühungen nicht und das Bild von dir, das mir vor Augen erscheint, ist auch nicht zu verdrängen.
Wann merkt man, dass man etwas hat? Wenn man es verloren hat? Ist es denn schon zu spät?
Erschrocken zucke ich zusammen, als ich das Geräusch eines Schlüssels im Türschloss vernehme und durch die geöffnete Wohnzimmertür sehen kann, wie sich die Wohnungstür langsam, aber bestimmt öffnet. Du. Aufgeregt, beinahe ängstlich sehe ich zu, wie deine Silhouette erkennbar wird und du -ohne in meine Richtung zu schauen - die Tür wieder schließt und dich bedächtig aus deiner Jacke schälst, die Schuhe ausziehst und eine Tasche in die angrenzende Küche bringst.
Warst du einkaufen?
Ich möchte fragen, wage es doch nicht und senke meinen Blick, als du nach einiger Zeit das Wohnzimmer betrittst.
"Wo ist die Fernsehzeitung?", fragst du leise, wenn auch nicht unsicher, woraufhin ich mit meinem ausgestreckten Arm auf den Tisch vor mir weise.
Deine Füße erscheinen in meinem Blickfeld und ich vernehme ein Rascheln, woraus ich schließe, dass du die Zeitung gefunden und genommen hast.
Das Sofa senkt sich ein wenig, als du dich niedersetzt und kurzerhand den Fernseher einschaltest, zielstrebig einige Tasten drückst. Gerade beginnt irgendein Film und wie ich dich kenne, möchtest du ihn dir gerne ungestört ansehen. Ungestört. Was bedeutet das? Ohne mich?
Viel zu fern scheinen die Erinnerungen an die Tage, in denen wir zusammen auf dem Sofa unter einer Decke saßen, uns gegenseitig wärmten und irgendeinen Film ansahen...
Zu mir sagst du jedoch nichts, kein Wort, ich spüre nur den Abgrund, die Schlucht, die zwischen uns zu liegen scheint, wenn deine Gestalt auch nur einige Zentimeter von mir entfernt ist.
Kein Wort zu dem Vorfall. Nichts. Aber du sagst hinterher selten etwas, die ausgesprochenen, wenn auch bereuten, Worte bleiben im Raum stehen und vergrößern jene Schlucht immer weiter. Ich weiß, dass du niemand bist, der gerne streitet, sondern jemand, der diesem lieber aus dem Weg geht oder sich darüber ausschweigt.
Aber kann es so weitergehen?
Mein Blick wandert nach rechts zu dir, der du angestrengt auf den Bildschirm starrst, mich und meine Anwesendheit nicht einmal wahrzunehmen scheinst. Ist das so? Siehst du mich nicht mehr? Bin ich nur noch wie die Luft zum Atmen? Notwendig, aber unsichtbar?
Möchte so gerne etwas sagen, doch...
Du kommst mir zuvor.
"Willst du nicht mal aufräumen?", du nickst in Richtung des Scherbenhaufens, der nach wie vor auf dem Boden vor der Wand liegt und den ich nicht angerührt habe. Konnte es nicht. Fürchtete mich vielleicht davor, diesen Relikt ohne ein einziges Wort zu beseitigen.
"Ich..."
"Man könnte sich daran verletzen, Scherben sollten nicht herumliegen", schneidest du mir das Wort ab und erhebst dich. Scheinbar ist dein Film bereits zuende... oder habe ich das Gefühl für die Zeit verloren?
"Aber ich...", versuche ich es erneut, doch du verlässt mit den Worten "Ich mache Essen" das Wohnzimmer und lässt mich zurück.
Mit meiner Schuld. Meiner Unfähigkeit. Meinen Worten, die ich sagen möchte. Meinen Zweifeln. Meinen Ängsten.
Letztendlich ergebe ich mich und stehe auf, um Staubsauger und Kehrschaufel zu holen, um deinen Worten Folge zu leisten.
Verzeihst du mir? Planst du insgeheim schon das Ende? Die Unwissenheit nagt an mir und lässt mich wieder einige Tränen vergießen, als ich die großen Scherben aufsammele, um anschließend die kleineren mit dem Staubsauger aufzusaugen.
"Essen", tönt es aus der Küche und ich setze mich dir gegenüber an den Tisch, nachdem ich die ehemalige Vase entsorgt habe.
"Was gibt es?", höre ich mich fragen, bin erstaunt über meine Worte. Sie spiegelten nichts von der Angst und Unsicherheit wieder, die mich derzeit befällt. An mir nagt, mich von innen heraus auflöst.
"Nudelauflauf", antwortest du schlicht und stellst die Schüssel in die Mitte des Tisches, woraufhin wir stillschweigend essen.
"Er schmeckt gut", wage ich zu sagen, kann die Stille, die zwischen uns herrscht nicht länger ertragen.
"Er schmeckt wie immer", klärst du mich auf und trinkst einen Schluck Mineralwasser.
"Trotzdem gut", beinahe trotzig klingen diese Worte. Bin beleidigt, dass du meine Komplimente nicht so annimmst. Bis mir einfällt, dass du es bist, der wütend sein dürfte. Nicht ich. Ich habe nicht das Recht dazu.
"Also, Aki...", beginne ich erneut. Fest überzeugt, es diesmal zu schaffen.
"Was ist?", du erhebst dich und stellst unsere beiden Teller in die Spülmaschine, "Der Krimi beginnt gleich im Fernsehen."
"Ich wollte mit dir reden", spreche ich mit fester Stimme und sehe zu, wie du für einen Moment innehältst.
"Reden? Geht das nicht morgen?"
"Nein!", sofort bereue ich meinen harschen Ton.
"Stellst du jetzt die Bedingungen?", die spöttische Stimme schmerzt mich und ich erwidere angestrengt den Blick, den du mir zuwirfst.
"Ich möchte einfach reden!"
Jetzt nickst du, scheinst zuzustimmen und setzt dich wieder mir gegenüber auf den Stuhl.
"Was ist?"
"Ich... ich...", im Inneren verfluche ich mich dafür, dass es mir so schwer fällt, mit dir zu reden, " es tut mir leid." Ein Gefühl von Stolz durchflutet mein armseliges Ich.
"Was?", deine Stimme ist ausdruckslos.
"Heute Morgen... ich... ich wollte das nicht tun. Ich liebe dich doch", seltsame Worte, die meine Lippen verlassen. Ist das so, ich liebe dich? Wie lange habe ich es dir nicht mehr gesagt? Es scheint eine halbe Ewigkeit her zu sein.
"Du liebst mich?", Erstaunen schwingt in deiner Stimme mit und ich sehe, wie du mich musterst. Deine Miene hat sich verändert, der Ausdruckslosigkeit ist Verwunderung gewichen.
"Ja... ich... liebe dich und ich wollte mich nicht mit dir streiten. Es ist meine Schuld, es tut mir leid."
Stille. Schweigen. Wie ein Mann vor Gericht warte ich auf Freispruch oder Todesstrafe.
"Es tut dir leid?", deine Stimme holt mich zurück in die Wirklichkeit und ich sehe dir in die Augen.
Ich nicke schlicht.
"Hast du jetzt ein reines Gewissen, um mir wieder zu sagen, dass der Nudelauflauf versalzen war?", siehst mich an und ihr höre die Wut heraus, die in deinen Worten mitschwingt. Zucke zusammen, zittere gar ein wenig.
"Ist es nicht so? Macht es dir Spaß, dein Gewissen mit hohlen Phrasen zu beruhigen?", du erhebst dich und möchtest gehen. Doch ich halte dich zurück, packe dich mit einer Hand an der Schulter.
"Das ist nicht wahr... es tut mir leid... verdammt, ich weiß nicht, warum es so... ist, wie es ist. Ich möchte das ändern, bitte, glaub mir", mit flehendem Blick sehe ich zu dir auf, bekomme abwesend mit, wie ein weiteres Mal meine Wangen feucht werden.
"Ändern, und wie?", erkundigst du dich tonlos.
"Wir könnten uns unterhalten... aber ich kann doch nicht...", breche den Satz ab, wage es nicht, noch ein "ohne dich sein" heranzuhängen. Fürchte es.
"Und dann soll sich etwas ändern?", ungläubig blickst du mich weiter an.
"Bestimmt... ich meine, ich liebe dich doch", sinnentleerende Sätze, doch ich weiß mir nicht anders zu helfen, als wieder und wieder meine Liebe zu bekunden, zu hoffen, dass du mir Glauben schenkst. Mir vielleicht verzeihst. Eventuell...
Mit einem Mal nährst du dich meinem Gesicht und ich bekomme mit Erstaunen mit, wie sich deine Lippen auf die meinen legen und in mir eine Welle des Glücks auslösen. Doch warum tust du das? Warum dieser Sinneswandel? Genießend, als sei es das letzte Mal, erwidere ich diese zärtliche Geste, nehme genießerisch deinen Geschmack in mir auf, ziehe dich in meiner steigenden Euphorie näher an mich heran. Wann habe ich dies hier zuletzt erlebt? Wann habe ich zuletzt diese Euphorie verspürt? Es scheint lange her...
Nach Ewigkeiten lösen wir uns voneinander und sehen uns eine Weile an, bis du zu reden beginnst: "Ich glaube dir. Ich liebe dich auch."
Die Freude ergreift Besitz von mir und die Arme, die ich nach wie vor um dich gelegt habe, ziehen dich nur noch ein wenig näher an mich heran. Wir lieben uns, schießt es mir durch den Kopf und für einen Augenblick bin ich mir sicher, dass diese Worte der Schlüssel sind zu einem Ende, das mir behagen wird.
Selbst, wenn mir im nächsten Moment bewusst wird, dass es schließlich schon einmal schiefgegangen ist.
"Schaffen wir das?" "Wir schaffen das." Und ich glaube dir. Möchte es.